Gestern kam ich endlich wieder gut in der Zivilisation Kampalas an… nach drei Wochen im Norden Ugandas mit kurzem Kampala-Urlaub, um Christoph zum Flughafen zu geleiten.
In Pakwach (oder auch Pakwachi, wie die Ugander es aussprechen) lebte ich zunaechst fuer zwei Wochen bei einer Gastfamilie. Sie lebten, wie der Grossteil der Menschen dort immernoch lebt: In einer runden Lehmhuette mit Grasdach. Auf ihrem Grundstueck befanden sich fuenf solcher Huetten, eine davon war fuer mich bestimmt. Dort hatte ich meine eigene kleine Waschecke und ein kleines Bett, das sogar fuer mich zu kurz war… aber immerhin hatte ich ein richtiges Bett, was ich in Nansana nicht habe. In der ersten Nacht konnte ich kaum schlafen, weil es mir viel zu heiss war und ich immerzu das laute Zirpen der Grillen in meinem Grasdach hoerte und mir dabei einbildete, auch Getrappel (von Maeusen oder gar Ratten???) zu vernehmen. Mit der Zeit gewoehnt man sich aber an alles… auch an bis zu 50 Kakerlaken in der Latrine.
Ich empfand es als grossen Nachteil, dass diese Huetten quasi immer dunkel sind (auch, wenn tagsueber die Sonne brennt). Ein Stromnetz gibt es nicht in Pakwach, aber die Ugander sind da ja sehr erfinderisch und so gibt es Ladestationen, die ueber Generatoren oder Solarzellen betrieben werden, wo man sein Handy fuer 500 USHS zum Laden abgeben kann. Man ist also nicht ganz von der Aussenwelt abgeschnitten.
Diese Dunkelheit hat allerdings auch etwas fuer sich: Man kann nachts einen Sternenhimmel beobachten, wie ich ihn noch niemals in meinem Leben gesehen habe und wenn der Mond genug geschienen hat, brauchte man nichtmal eine Taschenlampe, man sah alles ohne Probleme. Alles hatte nachts sogar einen richtigen Schatten!
Die Strasse nach Pakwach ist fuer ugandische Verhaeltnisse hervorragend, da Pakwach gleich am Murchison Falls Nationalpark liegt. Man schaut einmal ueber den Nil und unter Umstaenden kann man dann Elefanten oder auch Nilpferde beim Baden auf der anderen Seite beobachten. In Pakwach war es immer unglaublich heiss und vier Liter Fluessigkeit am Tag waren mein Minimum, Sonnencreme ausserdem ein Muss (in Kampala kann ich mittlerweile ohne auskommen).
So… nach dieser kleinen Einfuehrung nun zu meiner Arbeit dort:
Im Auftrag von UPA war ich angereist, um die beiden Leiter zu unterstuetzen und die Gruppe unseres Workshops (bestehend aus zwei Teilnehmern aus Arua, drei aus Kampala, mit mir sechs internationalen Teilnehmern und vielen Pakwachis) im Forum Theatre zu trainieren, was ich in Sambia kennengelernt hatte. Wir wollten uns dabei auf das Thema HIV/AIDS konzentrieren, um die Menschen dort zu sensibilisieren. Pakwach hat eine der hoechsten Infektionsraten in Uganda, da es an einer viel befahrenen Strasse liegt, die von vielen Reisenden und Truckfahrern genutzt wird, die von Kenia oder Sudan kommen und in Pakwach gerne mal jemand fuer einen Abend suchen. Zudem ist die Armut sehr hoch – wie wahrscheinlich im ganzen Norden Ugandas.
Waehrend des Workcamps gab es viele Probleme, die so unterschiedlichen Ursprungs waren, dass manche bis zum Ende nicht geloest werden konnten – Einige internationale Freiwillige waren nicht genug von ihren Organisationen vorbereitet worden und hatten ganz falsche Vorstellungen vom Ablauf des Workcamps und ugandischen Arbeits- und Lebensweisen. Hinzu kamen zwei komplett unerfahrene Leiter, die keine Entscheidung ohne mich treffen konnten, ihre persoenlichen Einstellungen nicht zurueckhielten, drohten, Teilnehmer nach Hause zu schicken und sich selbst teilweise einfach nicht unter Kontrolle hatten, mich ausserdem nicht unterstuetzten, weil sie manchmal ganze Tage nicht anwesend waren.
Trotz alldem schafften wir es dennoch ein gutes Theaterstueck auf die Beine zu stellen und bei unserer Auffuehrung auf dem Hauptmarktplatz des Dorfes einige Menschen anzulocken, sodass letztendlich etwa sieben Frauen auf die Buehne kamen und Szenen nachspielten, um das dort praesentierte Problem zu loesen, was der Sinn des Forum Theatre ist.
Ich lernte viel ueber die dortige Situation der HIV-Infizierten und AIDS-kranken Menschen und fuehlte mich sehr hilflos. Wenn eine HIV- positive Mutter vor einer Gruppe anfaengt, zu weinen, weil sie nicht weiss, wie sie die Schulgebuehren fuer ihre vier Kinder zahlen soll, wenn sie auch gutes Essen braucht, damit ihre ARVs wirken koennen, dann ist das sehr traurig. Von all den NGOs, die solchen Menschen rund um Kampala mit kostenlosen Moskitonetzen, Schulgebuehren und Essensausgaben behilflich sind, sah man dort kein einziges Buero. Wir gaben ihnen den Rat, diese zu kontaktieren und ihre verzweifelte Situation zu schildern. Zu der extremen Armut kommt naemlich das Problem, dass es in Pakwach keine Maschine gibt, die die sog. CD4-Zellen im Blut zaehlen kann – von ihrer Anzahl haengt es fuer einen HIV-positiven Menschen allerdings ab, ob er auf ARVs (Medikamente zur Staerkung der CD4-Zellen) gesetzt werden muss oder nicht. Diese Menschen muessen also alle bis nach Arua reisen, was sehr weit und teuer ist, um dort ihr Blut testen zu lassen. Dazu haben sie sich bereits in sog. Post-AIDS-Clubs organisiert, von denen wir einige besuchten. Dort warten sie, bis 10 Menschen ihr Blut testen lassen wollen und 3500USHS aufbringen koennen, um ihre Blutproben nach Arua transportieren zu lassen und bringen dann die Proben zum Testen. Dennoch kann es fuer die erste Person, die merkt, dass sie ein schwaches Immunsystem hat und ihre CD4-Zellen testen lassen moechte, fast drei Monate dauern, bis auch neun andere soweit sind. Das ist sehr lang, manchmal sicherlich zu lang…
Mein Besuch in Pakwach hat mir gezeigt, wie viel die Regierung hier im Sueden tut und wie wenig im Norden. Ausserdem hoerte ich Horrorgeschichten ueber den Mord an Acholi, angeblich begangen von Regierungstruppen im Auftrag des jetzigen Praesidenten, wie es auch sein Gegner fuer die naechsten Wahlen, Ottunnu, behauptet. Des Weiteren Geschichten ueber die Lord’s Resistance Army (LRA), eine Rebellengruppe, die bis vor kurzer Zeit im Norden Ugandas aktiv war und nun in der Zentralafrikanischen Republik vermutet wird.
Es war fuer mich sehr lehrreich und interessant und ich konnte die Lebensweise kennenlernen, die in Uganda wahrscheinlich am verbreitesten ist, da der Grossteil des Landes einfach nicht wie Kampala und seine Umgebung aussieht.
Am letzten Tag, dem Samstag, fuhren wir dann in den Murchison Falls Nationalpark, wo ich Elefanten, Giraffen, Bueffel, zahlreiche rehartige Tiere (ugandan cob, etc), Nilpferde und Krokodile sah. Leider sahen wir keine einzige Katze – aber vielleicht beim naechsten Mal. ;)
Denn auch, wenn ich mich diesen Samstag auf nach Deutschland mache, werde ich gerne wieder nach Uganda zurueckkommen. Unter Umstaenden auch wieder fuer eine laengere Zeit.